December to remember: Texas, Final exams und viele Cookies 


27.11.2023 – 27.12 2023

Die langen Abstände zwischen meinen Blogbeiträgen sind nun zur Gewohnheit geworden. Aber ich freue mich, Dir nun einen Dezember Rückblick geben zu können. Das wird wahrscheinlich ein längerer Blogeintrag, also mach es dir gerne bequem.

Wie ging es nach Thanksgiving weiter? Hier in den USA beginnt dann bekanntlich die Weihnachtszeit. Die künstlichen Tannenbäume werden aus den Kellern geräumt, der Plätzchenteig ausgerollt und Weihnachtsmusik darf natürlich auch nicht fehlen.

Neben Unterricht und Arbeit musste ich mir nun langsam Gedanken machen, wo ich den Weihnachten verbringen möchte. Typisch für mich, schob ich dies natürlich bis zur letzten Sekunde auf. Jeder hatte gefühlt einen Plan – und ich? Well, die Entscheidungsunfähigkeit kam mal wieder zum Vorschein. Unter Palmen in Kalifornien, im sonnigen Florida oder doch im kalten Wisconsin? Mein größter Traum war es immer die amerikanischen Feiertage in einer amerikanischen Familie mitzuerleben. Also nahm ich meinen Mut zusammen und fragte meinen social host, ob ich nicht Christmas Day bei ihr in Wisconsin verbringen könnte. Zu meiner Überraschung erhielt ich direkt eine Antwort. Sie würde sich sehr freuen mich bei sich zu haben. Da war er wieder – ein Moment der Dankbarkeit. Ich würde Weihnachten in einer amerikanischen Familie verbringen und konnte es kaum erwarten. Manchmal fühlt sich das hier alles wie ein Traum an.

Am Wochenende stand der nächste Roadtrip gemeinsam mit 4 weiteren PPPler*innen an. Tschüss kaltes Wisconsin und howdy Texas!! Von Houston ging es 6 Stunden mit dem Auto nach South Padre Island, 30 min von der mexikanischen Küste entfernt. Die Zeit hätten wir nicht besser wählen können. Durchgehend 23 Grad, Palmen (die ich regelmäßig umarmen musste) und der 1. Advent. Wir erledigten noch kurz den Einkauf für die nächsten Tage und fuhren dann an der Küste entlang zu unserer Unterkunft. Palmen mit Lichterketten geschmückt, Santa Clauses schauten aus den Fenstern einiger Häuser hervor und der Geruch von Salzwasser stieg uns in die Nase.  Es war einfach wunderschön. Abends spielten wir Gesellschaftsspiele und am Hafen fand ein Speed-Boat Wettbewerb statt. An die Temperaturen kann ich mich definitiv gewöhnen. Tagsüber waren wir am Strand und stützen uns in die kalten Wellen. Es gab auch ein kostenloses Pancake-Breakfast mit Santa Claus inklusive Foto! Dann ging es zu einer Schildkröten-Auffangstation. Dort werden alle Schildkröten hingebracht, die Verletzungen oder Krankheiten aufweisen, um sie dann behandeln zu können. Auch der Besuch einer Karaoke-Bar stand auf unserem Plan. Da man hier in den USA leider erst ab 21 als volljährig gilt und wir eine minderjährige Person dabeihatten, viel dies leider ins Wasser. Also nutzten wir den letzten Abend und setzten uns in ein mexikanisches Restaurant. Am nächsten Morgen ging es zurück nach Wisconsin. Und zu meiner Überraschung wurde ich am Flughafen von 5 Freunden abgeholt. Ich freute mich sehr und kaum im Dorm angekommen, ließ die nächste Überraschung nicht lange auf sich warten: Ein Weihnachtspaket aus Deutschland!  

Das Dorm wurde weihnachtlich eingerichtet, den Rest der Woche wurde wieder einige Stunden im Cookie-Store gearbeitet und dann standen auch schon die Final exams am College an, welche einen großen Teil der Endnote ausmachen. In English language and culture stand eine kurze Präsentation an, bei der wir einen Film, der globale Herausforderungen thematisiert, analysieren mussten. Ich entschied mich für den Film „Lion – der lange Weg nach Hause“. An meine Webdesign Aufgabe begab ich mich dann am Tag der Abgabe. Ein Glück wurden wir frühzeitig vom Unterricht entlassen und so setzte ich mich mit dunklen Augenringen und 2 Starbucks-Coffees an meine Hausaufgabe. Ich musste ein gesamtes Mock-up für eine Internetseite in Desktop sowie mobiler Version anfertigen. Verwöhnt von den letzten Wochen, war eine verspätete Abgabe dieses Mal nicht möglich. Also machte ich mich ans Werk und nach 10 Stunden um 23:59 Uhr schickte ich meine Arbeit ab und klappte den Laptop zu. Erschöpft, aber sehr zufrieden ging ich zu Bett.

Das Wochenende startete dann mit einem eher traurigen Termin. Der Verkauf von Betsy. Ich hatte kurzfristig einen Käufer finden können und fuhr mit dem Fahrrad zum Mechaniker, um Betsy gegen Geld einzutauschen. Einerseits sehr erleichtert, dieses leidige Thema vom Tisch zu haben, war ich zugegebenermaßen sehr traurig, dieses besondere Stück abgeben zu müssen. Aber gut, nun kann es nur bergauf gehen. Ich schaute mir am Nachmittag noch ein neues Auto an, aber mein schlechtes Gefühl siegte. So entschied ich mich dazu, auf einen weiteren Autokauf zu verzichten und das nächste Jahr in den USA mit Bus und Fahrrad zu beschreiten. Das wird schon irgendwie.

Am darauffolgenden Montag war dann auch keine Zeit mehr für negative Gedanken. Die Christmas-Party mit allen internationals stand an. Wir kauften Deko und dekorierten den großen Saal. Da es ein großes Buffet geben sollte, brachte jeder eine Kleinigkeit mit. Auch meinen deutschen Kartoffelsalat, den ich das erste Mal allein zubereitete und dessen Aufwand ich etwas unterschätzt hatte, steuerte ich bei. Erstaunlicherweise kam dieser sehr gut an, dass sogar nach dem Rezept gefragt wurde – da war ich kurz stolz. Am späteren Abend dekorierten wir alle gemeinsam noch kleine Weihnachtsbäume und als die meisten sich verabschiedetet hatten, legten wir zu 4 noch eine kleine Tanzeinlage hin. Es war ein gelungener, amüsanter Abend.

Doch abgesehen von ein paar Highlights waren die ersten 2 Wochen im Dezember nicht leicht für mich. Meine liebste Zeit des Jahres ist (die Sommerzeit ausgenommen) der Dezember. Hier in der Gegend gab es jedoch weder Weihnachtsmärkte noch irgendwelche Weihnachtsevents, die nicht nur für Kinder bestimmt waren. Hinzu kam, dass die meisten meiner Freunde hier mit ihren Final exams beschäftigt waren. Denn während ich nur 2 Kurse pro Semester belege, sind es bei denen bis zu 6 Kursen. Zusätzlich telefonierte ich viel mit Freunden von zu Hause, welche nach langer Zeit mal wieder einiges an Schnee erlebten. Weihnachtsmärkte, Glühweinabend auf dem ehemaligen Gymnasium und einige Zusammentreffen meiner Freunde ließen mich zu Hause plötzlich sehr vermissen. Und was hilft bei so einer Notlage? Richtig. Reisen und Ablenkung. Also buchte ich mir ein Zugticket nach Minnesota, Minneapolis, welches mich am folgenden Wochenende innerhalb von 6 Stunden in den anliegenden Bundesstaat brachte. Ich traf mich mit einer weiteren PPPlerin und wir hatten ein Ziel: In Weihnachtsstimmung zu kommen! Also besuchten wir einen europäischen Weihnachtsmarkt, eine Christmas-Bar, gingen Schlittschuhlaufen (meine Schlittschuh-Künste sind wirklich bedauerlich. So bedauerlich, dass ich mich mit einer 6-jährigen Newcomerin anfreundete) und besuchten ein amerikanisch-schwedisches Museum, welches mir für 8$ wortwörtlich 5 Salatblätter auftischte. Mit Goldspray besprüht, versteht sich. Da ich die letzten Wochen sehr viel gereist, somit wenig gearbeitet und dementsprechend nicht wirklich Geld hatte, buchten wir uns eine Couch-surfing Unterkunft. Zunächst war ich sehr skeptisch, aber als uns die Frau in ihr Haus lud, um dort auf ihrer Couch zu schlafen, hatte sie gerade eine Freundin zu Besuch. Wir machten zusammen Popcorn selbst, schauten Weihnachtsfilme und tauschten uns aus – es war definitiv eine schöne, bereichernde Erfahrung!

Zurück im Dorm war es höchste Zeit den Cookies einen Besuch abzustatten. Der Winterbreak in den USA geht immer 4 Wochen, sodass sich ein Teil dafür optimal zum Arbeiten eignete. Meine Motivation lag zwar jeden Morgen beim absoluten Tiefpunkt, da ich wusste das meine Freunde im Dorm jetzt schön ausschlafen und den Winterbreak genießen konnten. Aber was muss, das muss. Trotz des vielen Arbeitens machte es immer noch Spaß. Ich erhielt sogar ein Kompliment von einer Kollegin, dass meine Arbeitsweise sehr vorbildlich ist und ich immer sehr strukturiert arbeite. Das hat mich sehr gefreut!

Am Donnerstagabend, vor Heiligabend, wurde ich dann eingeladen mit einer Freundin und ihrem social host die Lights anzuschauen. Das war eine wunderschöne Erfahrung. Wir fuhren aufs Land, wo einige Häuser eine unglaubliche Menge an Weihnachtslichter im Vorgarten aufgestellt hatten. Diese bewegten sich dann im Einklang mit einem bestimmten Radiosender. An den nächsten beiden Tagen wurde nochmal gearbeitet und ich besuchte seit langem mal wieder einen Sportkurs. Das ist hier zeitlich mit dem Bus leider immer schwierig zu vereinbaren. Dann stand auch schon der große Tag bevor: Weihnachten!

Ein Tag auf den ich mich freue, seitdem ich die USA-Zusage erhalten hatte. Zunächst findet aber Heiligabend statt. Während bei uns in Deutschland, der Tag oftmals die höchste Bedeutung hat, wird hier eher entspannt. Dennoch hatte ich einen besonderen Wunsch: Ich wollte eine Kirche besuchen. Mein letzter Gottesdienst war zwar bereits über 7 Jahre her, aber einen weihnachtlichen Gottesdienst wollte ich unbedingt mal miterleben. So kam es, dass mich ein Freund mit seinem social host mit zu einem lutherischen Gottesdienst nahm. Die Pastorin hat 100% deutsche Vorfahren, lebt jedoch schon seit Kleinkindalter in den USA. Die Freude ihrerseits war somit groß und somit wurde ich direkt in ein Gespräch verwickelt. Es war ein schöner Morgen und wir gingen noch in ein amerikanisches Pancake-Diner. Zurück im Dorm räumte ich die Küche und das Wohnzimmer auf. Denn ich hatte meine Freunde eingeladen gemeinsam ein Lebkuchen-Haus zu backen, gemeinsam zu kochen und im Wohnzimmer Twillight zu gucken. Es war ein so gemütlicher Abend. Da viele meiner Freunde hier muslimische Wurzeln haben und kein Weihnachten feiern, freute ich mich umso mehr, dass sie an meiner weihnachtlichen Aktion teilnehmen wollten.

Am 25.12. stand ich morgens mit meiner Weihnachtsplaylist in der Küche und bereitete den deutschen Kartoffelsalat vor. Die Geschenktüte war gepackt und um 14.30 Uhr holte mich mein social host ab. Wir fuhren zu ihr nach Hause, wo bereits ihr Mann, ihre Tochter und die Tante warteten. Das Haus erinnerte mich direkt an Twilight. Mitten im Wald, hohe Glasfenster und Rehe im Garten. Ein Träumchen. Aber ich war ehrlich gesagt sehr aufgeregt. Was ist, wenn uns die Gesprächsthemen ausgehen? Oder schlimmer: Was ist, wenn ich ihnen nicht sympathisch bin? Meine Gedanken spielten wieder mal verrückt.

Wir versammelten uns im Wohnzimmer, wo ein großer wunderschöner Weihnachtsbaum stand. Um dessen Stamm fuhr eine Eisenbahn und daneben lagen Stockings. Das sind Weihnachtsstrümpfe, die zunächst an der Wand hängen und dann mit dem Inhalt neben dem Weihnachtsbaum liegen. Zunächst gab es viele kleine Vorspeisen und wir machten es uns um den Baum gemütlich. Dann gab es noch eine Riesen-Bretzel für alle, um laut des Vaters „auch für mich ein Stück zu Hause hier zu haben“. Es war wunderschön, so liebe, herzliche Menschen um mich zu haben. Ich fühlte mich direkt wohl. Dann bekam jeder von uns seinen Strumpf und ich freute mich wie ein kleines Kind. Ich erzählte von einer Tradition, die meine Familie und ich seit vielen Jahren haben: Wir würfeln im Kreis, und wer als erstes eine 6 würfelt, darf ein Geschenk auspacken. Meine social host-Familie war begeistert und so würfelten wir eine Weile, bis alle Geschenke ausgepackt waren. Dann war es Zeit fürs Essen. Doch bevor sich an den Tisch gesetzt wurde, erblickte ich noch das Klavier, welches an der Wand stand. Untypisch für mich, fragte ich einfach, ob ich ein wenig spielen dürfte. Alle waren begeistert, ich etwas verlegen kein Stück komplett in Erinnerung zu haben, aber sehr glücklich mal wieder spielen zu können. 

Danach aßen wir gemeinsam zu Abend. Es gab ein großes Buffet, bei dem sie extra viele vegetarische Speisen einbrachten. Kartoffelbrei, stuffed bread (sooo lecker), Preiselbeeren, Truthahn und vieles mehr. Im Anschluss gab es noch ein Oreo-Dessert, gebacken von der Tante. Himmlisch lecker. Im Anschluss gingen wir alle gemeinsam ins Kaminzimmer und schauten den Film „Elf“. Dann wurde ich nach Hause gefahren und direkt eingeladen, mal zum normalen Dinner oder fürs Theater vorbeizukommen. Das war mir Abstand einer der schönsten Tage, die ich in den USA bis jetzt erleben durfte. Ich sprudelte nur so vor Glücksgefühlen. Da änderte auch die nächste Cookie-Schicht wenige Stunden später nichts dran.

Danke, dass du bis hierher gelesen hast. In meinem Blogeintrag „Winterbreak: Las Vegas, Yosemite Park und San Francisco“ berichte ich über die 2. Hälfte meiner Winterpause. Schau gerne vorbei!!

XOXO,

TJ