Vom Kindheitstraum zum PPP


„Alle Träume können wahr werden, wenn wir nur den Mut haben, ihnen zu folgen.“ (Walt Disney)

Fernweh. Dieses Gefühl begleitet mich schon seit ich denken kann. Als ich 12 Jahre alt war, hörte ich das erste Mal von einem USA-Highschool Aufenthalt einer Bekannten. Der Wunsch selber die Erfahrung zu sammeln, eine längere Zeit in den Vereinigten Staaten leben zu dürfen, setzte sich schnell in meinem Kopf fest.

In der Schule interessierte ich mich schon früh für Sprachen, auch wenn sich das so leider nicht immer in meinen Englisch-Noten widerspiegeln wollte. Trotzdem entschied ich mich in der Oberstufe für das Sprachenprofil. In der 11. Klasse schrieben wir einen Brief an unseren Englisch-Lehrer. Wir sollten uns vorstellen und über unsere Wünsche und Ziele berichten. Mein größter Traum war es, eine längere Zeit in den USA zu leben. Mir hatte mit 15 Jahren noch die Reife und Weitsicht für einen Highschool Aufenthalt gefehlt und so nahm ich mir auch Jahre später noch vor, diesen Traum zu verfolgen.

Nach dem Abitur wollte die Mehrheit dann entweder studieren, eine Ausbildung absolvieren oder ein “Gap Year“ einlegen. Auch ich entschied mich im Sommer 2019 zunächst dazu, die Schulbücher beiseite zu legen und die Freiheit zu genießen. Ich spielte mit dem Gedanken in die USA zu gehen. Oftmals neige ich jedoch dazu, jeden und alles zu überdenken und gefühlt eine Entscheidung 3-fach abzuwägen. So verbrachte ich auch hier zu lange damit, nach einem Programm zu suchen, das zu mir passte. Also entschied ich mich kurzfristig für ein Praktikum in einer Reiseagentur und einen anschließenden 5-monatigen Auslandsaufenthalt in London. Als dann aber die Welt weitestgehend zum Stillstand kam und keiner so richtig wusste was da gerade geschieht, flog ich nach 4 Wochen London mit dem nächsten Flieger zurück nach Deutschland.

Ab März 2020 standen dann vermehrt Spaziergänge, Backwettbewerbe und Facetime-Anrufe auf dem Plan, bevor ich dann im August 2020 meine Ausbildung als Kauffrau im eCommerce startete.

1 ½ Jahre arbeitete ich im Home Office und verbrachte einige Abende damit, meinem Traum einen Schritt näher zu kommen. Das Internet wurde mein bester Freund und so suchte ich nach einer Möglichkeit nach meiner Ausbildung in die USA gehen zu können. Der zweite Lockdown, die Ungewissheit über die Zukunft und der Wunsch ins Ausland zu gehen, belasteten mich zeitweise sehr. Doch irgendwann stieß ich auf einen Blog vom Parlamentarischen Patenschafts-Programm (PPP). Es war ein Erfahrungsbericht von einer Teilnehmerin vor Ort. Sie machte mir Hoffnung und so begann ich mich über das Programm zu informieren, laß morgens in der Bahn zur Berufsschule weitere Erfahrungsberichte und nahm nachmittags an Info-Veranstaltungen teil. Das war meine Chance. Im Mai 2022 registrierte ich mich direkt und verbrachte jede freie Sekunde mit der Erstellung meiner Bewerbung – sie sollte schließlich perfekt sein.

Ich weiß es noch, als wäre es gestern gewesen: Kurz bevor ich meine Bewerbung abschickte, kamen mir Zweifel auf. Was ist, wenn die Enttäuschung jetzt größer wäre nicht genommen zu werden? Ich wollte es doch so gerne. Aber ich ließ meinen Overthinker Instinkt verstummen und reichte die Bewerbung Ende Juli ein. Meine Wunschvorstellung, mich jetzt entspannt zurücklehnen zu können und auf eine Rückmeldung zu warten, konnte ich mir dann auch abschminken. Auf den genauen Verlauf des Bewerbungsprozess und Auswahlgesprächs gehe ich aber in einem separaten Post ein.

Es folgten also 6 lange Monate mit einem Auswahlgespräch im November 2022 und dem persönlichen Gespräch mit meinem Patenabgeordneten Dr. Ralf Stegner Ende Januar 2023. Es war eine Achterbahnfahrt der Gefühle, bis ich zum Ende hin so unglaubliche Angst vor der Entscheidung hatte. Wenige Tage nach meiner mündlichen Abschlussprüfung erhielt ich dann aber die unglaubliche Nachricht. Ich werde Junior-Botschafterin in den Vereinigten Staaten! Ich hatte es tatsächlich geschafft – und kann es bis heute nicht ganz realisieren. Wahrscheinlich werde ich erst so richtig begreifen, wenn ich am 08. August im Flieger nach Washington D.C. sitze.

Mein Gefühlszustand ist definitiv schwierig zu beschreiben. Trotz dessen dass es mein größter Traum ist, spüre ich oft sowohl die größte Angst als auch pure Freude. Angst vor dem Ungewissen – das erste Mal für so eine lange Zeit von zu Hause entfernt, alleine auf mich gestellt. Irgendwo ist auch die Angst, dass meine Freunde mich vielleicht vergessen könnten – den Gedanken lasse ich aber immer schnell vorbeiziehen. Ich muss mich zudem dazu bekennen, dass FOMO (Fear of missing out) für mich auch kein Fremdwort ist. Von daher bin ich sehr gespannt, wie es sein wird Erlebnisse hier in Deutschland zu “verpassen”. Dann erinnere ich mich aber auch daran, dass das Jahr in den USA keinesfalls ein verschwendetes Jahr sein wird. Ich mag vielleicht einiges hier verpassen, aber die Erfahrungen die ich in den Vereinigten Staaten sammeln werde, sind einmalig und werden mich für mein ganzes Leben bereichern. Ein Kindheitstraum, bei dem ich teilweise dachte, dass er für immer ein Traum bleiben wird, geht in Erfüllung. Ich freue mich neue Kontakte zu knüpfen, irgendwann auf Englisch zu träumen, mich selber besser kennenzulernen und an jeder noch so kleinen Herausforderungen zu wachsen. Mich fasziniert die amerikanische Kultur schon seit ich denken kann und bin so dankbar diese Reise antreten zu dürfen.

Vor wenigen Wochen habe ich durch Zufall eine Nachricht meines Englisch-Lehrers gefunden. Wir hatten alle bei der Zeugnis-Vergabe des Abiturs einen Brief erhalten. Dort war unter anderem unser Vorstellungs-Schreiben aus der 11. Klasse enthalten und auch eine kleine Botschaft seinerseits.

Vielleicht motivieren diese Worte ja auch den ein oder anderen hier, sich zu bewerben.

“(…) One of your strengths you showed is your will to reach your goal, to invest time and thoughts – especially in English. Rely on your strengths and skills when facing the future and use your positivity to open doors (…) What about your exchange year after finishing school – still up to it?“                

Thank you Mr. Großcurth for believing in me.

Yes still up to it. And beyond grateful to live my dream really soon.

XOXO

TJ