Auswahlverfahren PPP


Wie bereitet man sich eigentlich auf so ein Auswahlverfahren vor? Wie läuft der Bewerbungsprozess ab? Und insbesondere bei diesem Stipendium stellt sich die Frage: Wie gut muss mein politisches Wissen sein?

Diese Fragen sind auch vor gut einem Jahr in meinem Kopf herumgeschwirrt. Da ich damals auch einen älteren Blogeintrag mit einigen Ratschlägen gefunden hatte, möchte ich ebenfalls hier meine Erfahrungen teilen – vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen.

Also erstmal zum Aufbau des Bewerbungsprozesses. Dieser unterteilt sich in 3 Runden:

  • Bewerbungsunterlagen ausfüllen und abschicken
  • Auswahlgespräch vor Ort
  • Einzelgespräch mit dem Paten-Abgeordneten
 
  1. Bewerbungsunterlagen ausfüllen und abschicken 

Meines Erachtens nimmt der erste Part den größten zeitlichen Aufwand in Anspruch. Die Bewerbungsphase läuft 4 Monate, von Anfang Mai bis Anfang September. Neben Angaben zu deiner Person und deinem beruflichen Werdegang wirst du auch zur persönlichen Erfahrung und Motivation befragt. Das Motivationsschreiben kommt in der 3. Runde zum Einsatz und wird dem potenziellen Paten-Abgeordneten vorgelegt, sobald du die 2. Runde bestanden hast.

In dem Schreiben geht es vor allem darum, über deine Motivation für ein Auslandsjahr, insbesondere den USA, und deiner Rolle als Juniorbotschafter*in zu berichten.

  1. Auswahlgespräch vor Ort

Nach der Bewerbung Ende Juli verging etwas Zeit, bis ich Anfang Oktober eine E-Mail zugeschickt bekam: Die Einladung zu einem Auswahlgespräch in Berlin! Zu dem Zeitpunkt freute ich mich bereits so sehr, als hätte ich die Zusage schon in der Tasche.

11.November 2022 – der Auswahltag.

Vom Schlafmangel der vorherigen Nacht spürte ich nichts. Ich fühlte mich, als wäre ich gerade einen Halbmarathon gelaufen. Mit mir waren 11 Bewerber*innen vor Ort, die Meisten aus unterschiedlichen Wahlkreisen. Als erstes fand eine Gruppenaufgabe statt, bei der wir in 2 Teams eingeteilt wurden. Dabei ging es bei uns um Alltagssituationen in den USA sowie unsere Rolle als Junior-Botschafter*innen. Ich persönlich hab die Leute vor Ort auch nicht als Konkurrenz gesehen, sondern als Mitbewerber*innen, die den gleichen Traum haben. Das hat mir enorm geholfen, mit dem Druck umzugehen. Rückblickend war es eine super Erfahrung und die Gruppe vor Ort war sehr sympathisch. Es war sehr bereichernd, Menschen kennenzulernen, die den gleichen Traum hatten. Jetzt ging es wirklich los – der Anfang einer noch unbekannten Reise. Ich glaube ich war in meinem Leben noch nie aufgeregter als an diesem Tag. Meine Zähne fingen an zu klappern und ich hatte leichte Panik in den letzten 3 Minuten vor meinem Einzelgespräch. Ich schickte noch schnell ein Stoßgebet an den Himmel und dann ging es los. Zu Beginn war ich so aufgeregt, dass ich mich erstmal direkt entschuldigte. Das Auswahlkomitee bestand bei mir aus 3 Personen. Ein Teil fand auch auf Englisch statt. Die einfachsten Vokabeln verabschiedeten sich aus meinem Gedächtnis und ich fühlte mich wie in die 5. Klasse zurückversetzt.

Aber letztendlich hatte ich mich im Laufe der ersten Minuten dann doch noch gefangen und lies meine Aufregung nach und nach abfallen. Am Ende des Gesprächs war ich sehr erleichtert und hatte ein gutes Gefühl. Ich konnte die meisten Fragen beantworten und versuchte, meine Motivation so gut wie möglich rüberzubringen.

Eine Sache kann ich dir zur Vorbereitung besonders ans Herz legen: 

Die aktuellen Nachrichten weltweit, insbesondere aber in den USA und Deutschland zu verfolgen. Neben dem klassischen Fernsehen kann ich vor allem Podcasts empfehlen, um auch verschiedene Zusammenhänge besser zu verstehen.

Hier einmal meine Lieblingspodcasts für News:

  • FAZ Podcast für Deutschland und FAZ Frühdenker
  • Das Politikteil
  • Ok, America?
  • Update – Deutschlandfunk Nova
 

Abgesehen davon können auch einige Fragen zur geographischen Lage und den geschichtlichen Eckdaten beider Länder gestellt werden. Bei mir ging es zum Großteil um aktuelle Geschehnisse in der Politik. Zu der Zeit waren gerade die Midterms in den USA, in Deutschland stand das Thema Bürgergeld zur Diskussion.

Einige Fragen die ich noch in Erinnerung habe:

  • Mit welcher Instanz ist der Supreme Court auf deutscher Ebene gleichzusetzen?
  • Was war die „Big Lie“ von Donald Trump?
  • Wie würdest du das deutsche Parteien-System in den USA erklären?

Schau dir dazu am besten nochmal beide Landkarten an und informiere dich über Geschehnisse, die die deutsche und amerikanische Geschichte wesentlich geprägt haben. Hilfreich ist auch, sich vorher nochmal seine eigene Bewerbung anzuschauen, falls dazu detaillierte Fragen gestellt werden.

Wie genau man sich aber vorbereiten muss, ist so pauschal nicht zu sagen. Für mich war eine gute Vorbereitung sehr wichtig. Es kommt natürlich auch immer darauf an, wie gut du in Prüfungssituationen handeln kannst. Solange du die Tipps oben etwas befolgst, solltest du gut vorbereitet sein. Mach dir nicht zu viel Stress. Letztendlich wird ein 20-minütiges Gespräch stattfinden und am Ende zählt der Gesamteindruck. Du musst nicht der nächste Politiker sein. Sei authentisch und versuch da auch mit etwas Freude ranzugehen!

                                                         

Dann ist das Auswahlgespräch auch schon vorbei und es passiert eine Weile erstmal nichts. Laut Zeitplan dauern die Auswahlgespräche bis Ende November. Dann wird vom Prüfungskomitee entschieden, welche Bewerber*innen den einzelnen Paten-Abgeordneten vorgestellt werden. Ich weiß noch bis heute wie lang mir die Zeit bis zur langersehnten Nachricht im Dezember vorkam. Ich war so angespannt, sodass kein Tag verging, an dem ich nicht mein E-Mail Postfach aktualisierte. Wenige Tage vor Weihnachten erhielt ich die positive Nachricht – eine Runde weiter! Glücklich aber noch immer angespannt wartete ich dann auf die E-Mail des Abgeordneten-Büros. 3 Szenarien sind möglich:

  1. Einladung zum persönlichen Vorstellungsgespräch mit dem potentiellen Paten-Abgeordneten im Wahlkreisbüro
  2. Telefongespräch mit dem Abgeordneten
  3. E-Mail mit direkter Nominierung zur Teilnahme am Programm. (Nominierung = Zusage)
 

Im Nachhinein erhält man dann bis spätestens Ende Februar die finale Nachricht. Auch der Vorschlag zum/zur “Ersatzkandidat*in” ist ein mögliches Szenario. Dort würde man im Falle einer Absage des eigentlichen Nominierten nachrücken.

Mir gingen so viele Gedanken durch den Kopf. Wann erhielt ich endlich Rückmeldung? Ich checkte irgendwann stündlich meinen Mail-Ordner, in der Hoffnung auf eine Rückmeldung. Und tatsächlich: Ich wurde eingeladen zum persönlichen Vorstellungsgespräch! Dass das ganze einen Tag nach meiner mündlichen Abschlussprüfung stattfand, blendete ich erstmal aus. Die Vorfreude war riesig!

  1. Einzelgespräch mit dem Paten-Abgeordneten

Am 31.01.2023 stand ich, noch innerlich gestresst von der mündlichen Prüfung, mit zitternden Händen vor dem Abgeordnetenbüro von Herrn Dr. Ralf Stegner. Typisch für mich schlug mir das Herz mal wieder bis zum Hals. Hier kann ich aber wirklich die Angst nehmen. Das Gespräch handelte im allgemeinen von meiner Motivation am Programm teilzunehmen, kulturellen Unterschieden zwischen den USA und Deutschland und meiner Rolle als Juniorbotschafterin. Am Ende bewertete ich kurz noch aus meiner Sicht das derzeitige hot topic der Politik.

Dann hieß es auch schon:

„Wir werden uns schnellstmöglich bei Ihnen melden“.

Nach dem Gespräch war ich zugegebenermaßen relativ neutral eingestellt. Ich konnte schwierig einschätzen wie gut ich mich und meine Motivation rüberbringen konnte. Bis ich eine Rückmeldung erhielt, rechnete ich mit einem 3-wöchigen Zeitraum.

Am Mittwoch, dem 01.02.2023 dachte ich kurz an unser Gespräch zurück und aktualisierte gedankenverloren meine E-Mails als plötzlich in dem Moment eine neue Nachricht auftauchte. Ich kannte die ersten Worte bereits aus Erzählungen anderer Stipendiat*innen.

Ich war fassungslos. Monate lang hatte ich mir den Moment vorgestellt. Ich war wie gelähmt und dachte erst, ich hätte mich verlesen. Nein. Ich hatte es wirklich geschafft. Sofort erzählte ich es meiner Familie und mit der Zeit auch meinen Freunden. Den meisten hatte ich vorher gar nicht von meiner Bewerbung erzählt – ich wollte mich einfach nicht beeinflussen lassen. Das war mein Weg, den ich ohne Kommentare und Ratschläge gehen wollte.

Ich bin unglaublich dankbar und glücklich diese Bewerbung im Juli 2022 abgeschickt zu haben.

Falls du dich gerade im Bewerbungsprozess befindest oder überlegst, dich zu bewerben – Do it! Meistens halten uns Ängste und Sorgen von den Dingen fern, die zu den schönsten und wertvollsten Ereignissen unseres Lebens werden können.

XOXO

TJ